Gyula / Ungarn, 11. Januar 2026

In Gyula (Ungarn) fand auch in diesem Jahr eine würdige Gedenkveranstaltung für die Opfer der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen statt. Unser Landesvorstandsmitglied Peter Süßbier nahm an der Veranstaltung teil und entzündete am Mahnmal in der „Deutschenstadt – Gyula Németváros“ eine Kerze der stillen Trauer.

Das Gedenken erinnert an die schweren Verbrechen an der deutschen Minderheit in Ungarn während der Stalinära. Diese Ereignisse stellen bis heute eine tiefe Narbe in der ungarischen Geschichte dar. Jahr für Jahr wird in Gyula der Opfer in respektvoller und würdevoller Form gedacht.

Ungarn nimmt beim Erinnern an die deutschen Opfer von Verschleppung und Vertreibung eine besondere Stellung in Europa ein. Bereits im Jahr 2012 beschloss das ungarische Parlament die Einführung eines offiziellen Gedenktages für die vertriebenen Ungarndeutschen – ein Schritt, der europaweit als Zeichen der historischen Verantwortung und der Versöhnung gewertet wird. Bis heute hat kein anderes europäisches Land einen vergleichbaren nationalen Gedenktag etabliert.

Ende 2013 wurde der Parlamentsbeschluss präzisiert. Der Gedenktag trägt seither offiziell den Namen
„Gedenktag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen“.

In der Begründung des Parlaments heißt es unter anderem:
„Die Wahrheit zu offenbaren und Ehre den Menschen gegenüber, die verstoßen und vertrieben wurden, ist die Aufgabe und zugleich Verantwortung einer jeden Nation. Besonders trifft das auf die Beziehungen zwischen der Mehrheitsnation und den Nationalitäten zu.“

Der Begriff der Verschleppung bezieht sich dabei insbesondere auf die Deportation vieler Ungarndeutscher ab Ende 1944 in sowjetische Zwangsarbeitslager, den sogenannten „Malenkij Robot“. Ab dem 19. Januar 1946 folgte die systematische Aussiedlung der Ungarndeutschen aus ihrer Heimat.

An der diesjährigen Gedenkveranstaltung nahmen unter anderem Ernő István Görgényi, Bürgermeister der Stadt Gyula, Vertreter der deutschen Minderheit in Gyula teil. Ihre Anwesenheit unterstrich die Bedeutung des Erinnerns als festen Bestandteil der ungarischen Erinnerungskultur und als Beitrag zu einem gemeinsamen europäischen Geschichtsbewusstsein.

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